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Ich fürchte, manche bauen die Zukunft wie einen Unfall.
Kurt Marti

Nachruf auf Dr. Rüdiger Schloz

Rüdiger Schloz war Oberkirchenrat im Kirchenamt der EKD und gehörte zu einem Kreis, vorrangig in und um Hannover, der Anfang der 80er Jahre das Grundanliegen eines bewussteren, einfacheren, konfliktsensiblen und mitwelt-freundlichen Lebensstils formulierte. Als promovierter Theologe, Soziologe und Erziehungswissenschaftler war er gewohnt, vorzudenken. Seinem viel zu früh verstorbenen Gefährten Ernst Lange und dessen ökumenischen Kirchenreform-Plänen blieb er als dessen Herausgeber (posthum) verbunden. Schloz war ein selbstkritischer Begleiter und Öffner des Weges seiner eigenen Kirche.

Der Hannoveraner Freundeskreis war angeregt worden durch den 1972 veröffentlichten „Bericht an den Club of Rome“ zur kritischer werdenden Lage der Welt. Wie aktuell! Und man war inspiriert durch die niederländische Basisbewegung zum „Nieuwe Levenstijl“ – ein Motto, das dort auch gewählt wurde, um auf jedem niederländischen Auto gleich einen Aufkleber vorweisen zu können, nämlich „NL“. Ich lernte diesen Kreis kennen über Peter Hertel und Manfred Linz, zwei NDR-Journalisten. Neben den Hannoveranern waren bald weitere bekannte Namen wie Ernst Ulrich v. Weizsäcker, Elisabeth und Konrad Raiser in Genf, Karl-Ernst Wenke in Bochum, Paulander Hausmann aus Wethen sog. „Erstunterzeichner“, die mit vielen anderen den Gründungsaufruf unterzeichneten: hin zu einer persönlichen Kehrtwende beim Konsumieren und Gestalten von Arbeit, beim Umgang mit Zeit und Geld, in menschlichen Beziehungen und „Mitwelt“-Verantwortung. Die geforderte „Selbstverpflichtung“ brachte damals noch nicht die erhoffte Massenbewegung, aber für anderthalb Tausend Menschen war die Hürde nicht zu hoch. Die Selbstverpflichtung besagte, dass man sich umfassender informieren und das Gespräch mit anderen suchen, den eigenen Lebensstil ändern und „mindestens 3% des Nettoeinkommens“ für Projekte ausgeben werde, die diese Ideen politisch voranbringen. Dieser Ökumenischen Initiative war er treu bis zu seinem Tod; er war der letzte des Gründungkreises, der aktiv bis zuletzt an der Weiter-Entwicklung der ÖIEW und deren Jahrestreffen teilnahm. Gerade auch die Erweiterung zur Erdcharta-Arbeit trug er mit.

Rüdiger war für mich immer eine Autoritätsperson in diesem neuartigen Berufsfeld, ebenso wie Manfred Linz und Peter Hertel. An ihnen konnte ich mich mit gut 30 Jahren messen, mit ihnen Ideen und Person reifen lassen, mich mit Margret und meiner bald 6-köpigen Familie fortentwickeln und an einem gesellschaftlichen Bewusstseins-Wandel teilhaben: 12 Jahre hauptamtlich für die ÖIEW und eigentlich unser ganzes Leben lang. -  Noch vor einem halben Jahrzehnt erlebten wir beiden alt gewordenen Paare (Schloz und Voß) im Schwarzwald eine wunderbare geistliche Woche mit gregorianischem Gesang, den Rüdiger im Protestantismus wieder heimisch machte, und mit Impulsen meinerseits zur „Schöpfungsverantwortung“ aus dem frisch gewonnenen Eine-Welt-Blick nach fast vier Jahren Friedensdienst im Kongo. Auch das Paar Schloz hatte ja in Equador und Guatemala nach der Pensionierung sechs Jahre im Gemeindepfarramt gewirkt.

Rüdiger Schloz war ein in sich ruhender, theologisch und praktisch im Geiste der Ökumene einer versöhnten Vielfalt lebender Mensch, Visionär mit Bodenhaftung – ein Brückenbauer. Möge er ruhen in Frieden.

Reinhard J. Voß

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Die jüngste Ausgabe unseres Rundbrief initiativ ist im November 2019 erschienen.
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Nachruf auf Dr. Rüdiger Schloz

Der Mitbegründer Ökumenischen Initiative Eine Welt Dr. Rüdiger Schloz ist am 11. Juni 2019 verstorben