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Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder von einer Zukunft, die wir wollen.
Wilhelm Ernst Barkhoff

Selbstverpflichtungen

Zu den "Säulen" der ÖIEW gehören von Anfang an die folgenden vier Selbstverpflichtungen, die ihre UnterzeichnerInnen entsprechend ihren Möglichkeiten in ihrem Leben zu beachten versuchen. Auch wenn ihre Unterzeichnung inzwischen nicht mehr Voraussetzung ist, um zur Initiative dazu zu gehören, laden wir weiterhin dazu ein, diese Selbstverpflichtungen im eigenen Lebensbereich zu erproben.

  1. Wir werden uns für eine solidarische Weltgemeinschaft einsetzen, in der die Benachteiligten zu ihrem Recht kommen und in ihren Lebenschancen gefördert werden.
  2. Wir werden uns um Modelle bemühen, an denen wir in weltweiter, ökumenischer Gemeinschaft lernen, unsere Mitverantwortung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung wahrzunehmen und danach zu handeln.
  3. Wir werden unseren Lebensstil immer neu überprüfen. Unseren Konsum wollen wir in ein vertretbares Verhältnis zu den begrenzten Vorräten unserer Erde, dem Bedarf der Benachteiligten und den ökologischen Erfordernissen bringen. Wo immer möglich, werden wir Waren kaufen, deren Ertrag die Eigenständigkeit der kleinen Produzenten weltweit und bei uns fördert.
  4. Wir werden Mitverantwortung übernehmen im wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Leben. Wir werden in der Arbeitswelt und im Wirtschaftsprozess auf mehr Beteiligung, auf eine umweltschonende und friedensfördernde Produktion drängen. Wir werden uns einsetzen für eine überlebensfähige Gesellschaft, den Abbau von Unterdrückung und weltweites Teilen.
  5. Wir werden einen spürbaren Teil unseres Geldes im Sinne dieser Selbstverpflichtung verwenden, wenigstens 3 % des Netto-Einkommens. (Persönliche Umstände können eine andere Selbsteinschätzung nach oben oder nach unten notwendig machen.) Wir werden das Geld insbesondere für folgende Zwecke verwenden: für Entwicklungs-Projekte und -Prozesse bei uns und weltweit, durch die die Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit derer gefördert wird, die in Armut und ohne eigene Gestaltungsmöglichkeiten leben müssen, sowie für bewusstseinsbildende und politische Aktionen in der Bundesrepublik Deutschland.

Zur Bedeutung der Selbstverpflichtungen in der Zeit ihrer Entstehung schreibt Reinhard J. Voß, von 1981 bis 1992 erster hauptamtlicher Koordinator der ÖIEW, anlässlich ihrer "Übersetzung" in eine "Einladung zum Mitmachen" im Jahre 2004:
Die "Selbstverpflichtungen" von 1976 stammen aus einer Zeit, in der die Unzufriedenheit über die öffentliche Ignoranz von sozialen und ökologischen Zukunftsproblemen in Kreisen kritischer Menschen wuchs, die sich vornahmen, eine Lobby für Umwelt und soziale Gerechtigkeit zu bilden. Daraus wuchs dann später - z.T. getragen von den selben Menschen - im kirchlich-ökumenischen Kontext der "Konziliare Prozess gegenseitiger Verpflichtung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung", an dem sich die ÖIEW von Anfang an ab 1983 engagiert beteiligte.
Das Selbstbewusstsein und die solidarische Entschlossenheit spiegelten sich im wiederholten "Wir werden" - eine Formel, die heute überheblich und selbstüberfordernd klingt. Sie hatte damals den Charme wie heute der Ruf "Eine andere Welt ist möglich".

Dreifach positiv klang sie in unseren Ohren; sie war:

  1. motivierend: Es war ein Motivationsschub durch eine Vision, die zu erreichen war, wenn möglichst viele mitmachten.
  2. befreiend: Die "Verpflichtung" war paradoxer Weise endlich etwas, das man als einzelne/r verantwortlich übernehmen konnte, ohne sich heraus zu reden mit "man kann ja doch nichts tun". Insofern war es stärkend für den Aufbau neuer politischer Bewegung und den "Mut zu kleinen Schritten". [So hat die Initiative nicht unwesentlich zu einem gesellschaftlichen Milieu beigetragen, das dann die Grünen in breiten Kreisen wählbar machte.]
  3. entlastend: Die Formel "Wir" besagte, dass solch große Aufgaben eh nicht von einzelnen, sondern nur von gesellschaftlichen Bewegungen bearbeitet werden könnten, denn nicht jede/r kann und soll alles tun. Vor dieser Selbstüberforderung schützte das "Wir" der Bewegung, die gleichzeitig damit den Anspruch der inhaltlichen und organisatorischen Vernetzung von Themen und Gruppen verband.

Heute sind die Kernforderungen weiter aktuell, wenn auch viele jetzt politisch sehr viel spezialisierter vertreten werden. Und auch der Kontext politischer Ignoranz sozialer, ökologischer und friedenpolitischer Probleme ist in Zeiten des wachsenden Neoliberalismus aktueller denn je.

Deshalb ist es gut, die "Selbstverpflichtungen" in Sprache und Geist unserer Zeit zu übersetzen, ohne sie vergessen zu machen.

Reinhard J. Voß, Wethen

Aktuelles

Frühlingstagung 2018

zum Thema "Gute Nachbarschaft: der Frieden ist wie ein Schneckenhaus" mit anschließender Mitgliederversammlung am Sonntag

initiativ 150

Die jüngste Ausgabe unseres Rundbriefs initiativ ist im November 2017 erschienen.
Im Blickpunkt: Momo und die Ausbeutungskultur

initiativ 151

Redaktionsschluss: 2.Februar 2018

Auf der Suche nach der Tiefe und Weite der großen Transformation

„was wir kaum in Worte fassen können und doch brauchen, wenn die große Transformation gelingen soll…“ Jahreswendtagung auf Burg Bodenstein vom 28. Dezember 2017 bis 1. Januar 2018

Kirchentag

vom 24. - 28. Mai 2017 auf dem Markt der Möglichkeiten